Allgemein | Baby

Wenn dein Baby an dem Ort zur Welt kommt, an dem du dich am sichersten fühlst

27. Februar 2019

Als ich mit unserem großen schwanger war, fragte mich meine Hebamme, ob ich denn Zuhause entbinden möchte, da sie das anbietet. Ich hatte mir davor nicht viele Gedanken dazu gemacht, aber hatte vor der ersten Geburt einfach zuviel Respekt und sagte nein. Nachdem die Geburt unseres ersten Kindes aber wirklich gut und schnell war, entschieden wir uns bei unsrem zweiten Schatz relativ schnell für eine Hausgeburt und von der erzähle ich euch heute.

Es ist der 28.02.2018
Wir wachen auf, mein Mann macht sich fertig um auf die Arbeit zu fahren.
Er duscht – er duscht langsam und sagt irgendwann „Ich warte eigentlich nur darauf, dass du sagst, dass ich Daheim bleiben soll“ Kurz danach sitzt er im Auto auf dem Weg zu Arbeit. Mir geht es gut. Ich habe ein leichtes Ziehen im oberen Bauch und rufe meine Hebamme an. Sie sagt ich soll mich nochmal melden, wenn das Ziehen stärker wird und auch im unteren Bauchbereich spürbar ist.

9:12 Uhr – Das Ziehen wird stärker.
Ich bin entspannt und mache einen Hefeteig und schicke meiner Familie eine Nachricht “ Ich beziehe jetzt mal das Bett für dich Mama und backe gleich noch einen Hefezopf. Ich habe jetzt leichte Schmierblutungen …es bleibt spannend“ Zur gleichen Zeit ist meine Mama auf dem Weg zum Bahnsteig in Heidelberg um zu uns zu fahren.

11 Uhr – mein Mann kommt wieder Heim.
Ich rufe meine Hebamme an, sage ihr, dass das Ziehen nach wie vor nicht sehr stark ist, ich mich aber sicherer fühlen würde, wenn sie da wäre. Auch wenn es dann nicht losgeht – lieber sie schaut einmal kurz nach mir und dem Kleinen.

12:28 Uhr – meine Mama ist jetzt auch da und mein Mann ist kurz nochmal Pilmeni (russische Teigtaschen) kaufen gegangen. Auch die Hebamme ist jetzt da, trägt erstmal zwei große Taschen rein und ist super entspannt – und ich dadurch auch.

12:50 Uhr – wir sitzen alle am Tisch und essen Mittag. Die Wehen beginnen und ich trete immer wieder feste mit den Füßen gegen den Boden um sie auszuhalten. Meine Hebamme merkt, dass es bald losgeht. Und auch unser großer Schatz spürt, dass etwas in der Luft liegt. Er ist müde und ich lege mich mit ihm ins Bett. Sicherheitshalber lege ich ein großes Handtuch auf die Matratze – mein weiß ja nie. Meine Hebamme macht es sich bei uns auf dem Sofa gemütlich und auch meine Mama ruht sich ein bisschen aus.

13 Uhr irgendwas… – wir liegen im Bett und ich versuche zur Ruhe zu kommen. Die Wehen werden stärker. Gerade als ich halb eingeschlafen bin, platzt die Fruchtblase. Ich springe auf, gehe ins Wohnzimmer und sage nur „Die Fruchtblase ist geplatzt“ – mein Mann bringt unsren Schatz zur Oma ins Zimmer, meine Hebamme zieht unser Bett ab und legt erstmal ein paar saugfähige Unterlagen drauf. Ich bin aufgeregt aber ruhig. Lege mich ins Bett und genieße es einfach aus dem Fenster gucken zu können. Genieße es an dem Ort zu sein, den ich liebe – mein Zuhause. Genieße es, dass ich in unserem Bett sein kann und dass ich eine Hebamme habe, der ich zu 100 % vertraue und die für mich da ist solange ich sie jetzt brauche. Sie bereitet alles in Ruhe vor, guckt zwischendruch nach meinem Muttermund und gerade als sie sich nochmal hinsetzen will geht es los.

Die Wehen werden sehr schnell stärker und ich darf endlich pressen.

13:58 Uhr – Er ist da und macht sich gleich bemerkbar. Endlich darf ich ihn in meine Arme nehmen, sein kleines zerknittertes Gesicht sehen, küssen. Ihn auf meine Brust legen. Was für ein Geschenk. Was für ein Wunder! Ich bin wirklich mit einem gebärfreudigem Becken gesegnet, denn nach 3 oder 4 Presswehen war er da. Ich bin sehr froh und dankbar, dass es so schnell ging, aber so richtig hinterher kommt man da mit seinen Gefühlen auch nicht. Tauschen wollte ich aber nicht – es ist sehr gut so.

Mein Mann darf die Nabelschnur durchtrennen und ich darf jetzt nochmal ein bisschen pressen um die Plazenta zu gebären. Das finde ich irgendwie fast noch anstrengender. Aber auch das hat gut geklappt und meine Hebamme guckt sich die Plazenta mit mir gemeinsam an. Im Krankenhaus wurde soetwas nicht gemacht. Vieles wurde im KH nicht gemacht und ich bin nochmal mehr dankbar, dass wir Daheim sind. Dass wir eine Hebamme haben, die keine Eile hat, die da ist und da bleibt. Die nicht gleich in das nächste Zimmer rennen muss, weil sie dort gebraucht wird.

Wir kommen ein bisschen zur Ruhe und mein Mann holt unsern großen Schatz und meine Mama, die es garnicht fassen kann, dass es so schnell ging. Die beiden kommen ins Zimmer und zack – fängt der Kleine an zu weinen und der Große steigt sofort mit ein. So hatten wir uns die erste Begegnung der beiden natürlich nicht ausgemalt – aber der Große fühlt einfach ganz stark mit und hat sich einfach auch total erschrocken, dass so ein kleines Wesen, so einen Lärm machen kann. Kurz danach verschwinden die beiden auf einen Kindergeburtstag und wir haben ein paar Stunden für uns.

Meine Hebamme bleibt noch ein bisschen. Ganz in Ruhe zeigt sie mir mit hilfe eines Spiegels, wo sie mich nähen muss und erklärt jeden ihrer Schritte ganz genau. Einige Zeit später fragt sie mich ob ich in der Lage bin aufzustehen und geht mit mir ins Bad. Ich dusche kurz und bin immer wieder dankbar, dass wir so gut betreut werden. Nach und nach erinnere ich mich an die Geburt unseres Großen – bzw. an alles, was danach so war. Im Krankenhaus kam zum Nähen extra eine Ärztin – sie setzte sich vor mich, redete aber nicht mit mir sondern nur mit der jungen Hebamme die zugucken sollte. Sie erklärte mir nichts, sondern erledigte einfach ihren Job.
Ich erinnere mich auch nicht mehr daran wer mir geholfen hat mich anzuziehen, mich ein bisschen „frisch“ zu machen…
ich erinner mich nur daran, dass der Kreissaal zwischendurch voller Leute war die rumgewuselt sind und schön war das nicht.

Eine Hausgeburt ist ganz bestimmt nicht jedermanns Sache und oft auch keine Option – aber wenn du die Möglichkeit hast, dann kann ich es wirklich nur empfehlen. Für uns war es perfekt. Unser Sohn kam in seinem Zuhause zur Welt, an einem Ort der ihm Sicherheit, Wärme, Geborgenheit und Liebe schenken soll. Ich bin einfach nur dankbar, dass wir das erleben durften !

 

 

  1. Wunderschön geschrieben 😍da bekommt man wieder Freude an Geburt. Habe selber 2 Hausgeburten und finde es traumhaft schön. Danke für deinen Einblick

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.